Macht Design die Welt vielfältiger oder einfältiger? ‒ Die schiere Bandbreite an Designansätzen, -methoden und -praktiken der letzten Jahrzehnte dokumentiert einen Gestaltungsspielraum, der sich eher affirmativ zu ergänzen und erweitern scheint, als kritisch zu beschränken und verengen. Das Diskursfeld wächst. Aber wird es auch diverser? Stellt man diese Frage aus der traditionellen Perspektive der industriellen Massengesellschaft, gerät man schnell auf die Spur eines Dilemmas, das auch heute noch virulent ist: Lässt sich Individualität für die Masse entwerfen, lässt sich Individualität in (der) Masse entwerfen?
Die industrielle Moderne war geprägt von einem Denken in Typen und damit einhergehend von einer Typisierung, die bereits auf die Erfindung und Durchsetzung des Buchdrucks am Beginn der Neuzeit zurückgeht (vgl. McLuhan 1962). Unter Typisierung firmierte dabei ein Denken in Standards, Schemata und Produktionsserien, das die ökonomischen Vorteile der Massenfertigung zugleich als neue Basis für eine neue Gesellschaftsarchitektur verstand. Damit waren nicht nur Stilfragen verknüpft, wie sie auch die Schwesterdisziplin der Kunst seit den französischen Avantgarden Mitte des 19. Jahrhunderts beschäftigten, sondern ein Neuentwurf des Menschseins in der Moderne, wie ihn am deutlichsten die russischen Revolutionäre (Groys/Hagemeister 2005) und in ihrer Folge die Funktionalsten der Zwischen- und Nachkriegszeit ausgearbeitet hatten.[1] Die spätere Entwicklung nach dem Krieg im Zeichen der Kybernetik und ihrer Kritik haben uns dagegen vor Augen geführt, dass die modernistische Doktrin „One size fits all“ die Grundzüge der entstehenden postindustriellen Gesellschaft bereits verfehlte und gerade heute, im Zeichen der Digitalisierung, einer Revision bedarf.
So etwa Ferdinand Kramer und seine pointierte Verhandlung der Frage nach der Typisierung: Entscheidend ist hierbei, dass besagte Typisierung als Antwort auf die fundamentalen Fragen der Zeit verstanden und damit nicht einfach eine Herstellungsweise benannt wird (vgl. Kramer 2010).
